Spielplatz Baulücke

Spielplatz Baulücke
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Von der Baulücke zur Spielfläche

In vielen Städten gibt es sie noch – Die Baulücken. Baulücken sind oft eine Folge des demographischen Wandels oder des Zweiten Weltkrieges. In den 1950er Jahren lohnte oft der Aufbau zerstörter Grundstücke nicht und so wurden viele Baulücken zu Grünflächen oder Spielplätzen umgewidmet. Während es in der Provinz noch „Mut zur Baulücke“ bei desolaten Grundstücken heißt, sind sie in den Ballungsgebieten heute sehr begehrt. Sie sind sofort oder kurzfristig bebaubar und liegen an einer bebauten Straße. Erschließungseinrichtungen sind ausreichend vorhanden oder können ohne erheblichen Aufwand hergestellt werden, was die Bebauung von Baulücken billiger als beispielsweise die von Neubaugebieten macht. Der Druck auf diese kleinen Spielplatzoasen in den Städten steigt also, oftmals wird er noch von einer Nachbarschaft unterstützt, die sowieso Kinderlärm nicht als Zukunftsmusik versteht.

Baulücken Spielplatz in Berlin-Charlottenburg

Einen dieser typischen Baulücken Spielplätze gibt es in Berlin-Charlottenburg, in der Eosanderstraße. Auch er ist von drei Seiten bebaut. Der etwa ein Meter hohe Zaun mit einem Tor bildet die vierte Seite des Platzes. Schattig bis sonnenlos liegt er in einer Baunische mit etlichen Bäumen. Die Aufschrift auf dem Zaun verrät, dass es dahinter „gemütlich“ wird. Es ist eine dieser wunderbaren zeitlosen Geschichten, die auf diesem Spielplatz inszeniert wurden. Die Bücher, in denen sie stehen, werden über die Jahre vielleicht neu illustriert, aber die Begeisterung für ihre Helden bleibt. Das Dschungelbuch von Rudyard Kipling zum Beispiel ist so eine Geschichte. Seit über 100 Jahren lesen es Generationen von Kindern. Zu den bekanntesten Erzählungen des Dschungelbuchs gehören die Geschichten von Mogli, einem Findelkind, das im indischen Dschungel aufwächst und durch die Fürsorge einiger Tiere gerettet wird. Andere Tiere wiederum sind ihm nicht gut gesonnen und so muss Mogli schnell zwischen Freund und Feind unterscheiden lernen. Durch die vielen Abenteuer, die Mogli im Dschungel erlebt, wird er zum Held und zum Freund in der Fantasie der Kinder. Ein wichtiger Grund für die Popularität des Dschungelbuches sind natürlich auch die Musik, die Theaterstücke und die Filme, die zu den Geschichten des Dschungelbuches entstanden sind.

Auch den Spielplatz in der Eosanderstraße in Berlin-Charlottenburg hat das Dschungelbuch erobert. Bereits schon 1998 wurde dieser Spielplatz vom Unternehmen SIK-Holz gebaut. Thematisiert wurde er damals wie auch im Jahr 2018 von Andreas Schmidt, Planer im Grünflächenamt Berlin-Charlottenburg. Auch zu seiner Kinderliteratur gehörte einmal das Dschungelbuch.

Spielplatz auf ca. 400 m² Fläche geplant

Der Spielplatz ist ca. 400 m² groß. Der Zaun mit einem palmengeschmückten Tor und dem darauf schlafenden Panther „Bagheera“ stimmen schon auf die dahinter liegende kleine Dschungelwelt ein. Auf der rechten Seite schlängelt sich ein Weg bis zu einem Bolzplatz, der den ganzen hinteren Teil des Platzes in Anspruch nimmt. Auch er hat schon einige Krisen erlebt. So gab das Verwaltungsgericht Berlin der Klage eines Anwohners im Jahr 2006 statt, den Bolzplatz zu schließen. Der Kläger, dessen Grundstück an den Bolzplatz angrenzt, hatte vor Gericht nachgewiesen, dass die Nutzungszeiten nicht eingehalten und der Bolzplatz auch von älteren Jugendlichen und Erwachsenen benutzt wurde. Mittlerweile scheinen sich die Wogen geglättet zu haben. Der Bolzplatz ist noch da, allerdings wird er erst am Nachmittag geöffnet und am Sonntag ist er geschlossen. Auf der rechten Seite des Weges hat sich ein stabiles Grüngerüst entwickelt, in dem die Kinder sich verstecken können oder sich auch ein paar Zweige für temporäre Spiele finden.

Aufgrund der Beliebtheit des Platzes wurde im Wesentlichen die frühere Bebauung auf der restlichen Fläche des Platzes übernommen. Nur die Anordnung wurde etwas verändert. Ebenfalls im hinteren Bereich befinden sich die bewegungsintensiven Geräte – eine Dreifachschaukel und ein Karussell mit „Mogli“ als Spielpartner. Den größten Teil des Platzes nimmt eine multifunktionale Spielanlage ein. Drei Spieltürme mit partiellen Dschungeldächern und zwei „Lianen-Bäume“ bilden einen Bewegungsparcours. Aufgrund der Enge des Platzes gibt es an den Türmen nur senkrechte Sprossenaufgänge und an einem „Lianen-Baum“ einen schrägen Kletterstamm. Für den schnellen Abgang werden eine Rutsche und eine Kletterstange angeboten. Beide sind von der ersten Spielanlage verwendet worden. Zwischen den Türmen und den „Lianen-Bäumen“ gibt es leichte bis schwere Übergänge in Form von einer breiten und einer schmalen Seil-Brücke, sowie einem Balancierbalken und einem Balancierseil. Die Podeste der Türme sind auch beliebte Treff- und Beobachtungspunkte der Kinder. Eine Hängematte mit begrenzter Auslenkung zwischen Dschungelturm und dem Tiger „Shir Khan“ lädt Kinder wie auch Erwachsene zum Schaukeln im Dschungel ein. Für kleine wie auch große Kinder ist das Schlangennest mit der herein und heraus kriechenden Schlange „Kaa“ eine beliebte Balancier- ,Kletter- und Sitzstruktur. Wackelplatten mit „Balu“ und „King Louie“ füllen die Räume zwischen der Dschungel-Spielanlage und der Schlangennest-Anlage. Unter und zwischen allen Geräten können die Kinder nach Herzenslust buddeln.

Spielgeräte als „kleiner Dschungel“ in der Großstadt

Der Spielplatz wirkt wie eine Bühne im Theater auf der jeden Tag das Dschungelbuch aufgeführt wird. Besonders gern wird er von den umliegenden Kindergärten besucht. Auf und an den Pfosten der Spielgeräte tummeln sich herrlich bunte Kolibris und Schmetterlinge, sitzen kleine Affen und Geier. Sie bezaubern durch ihre Farbenpracht und geben dem kleinen Dschungel in der großen Stadt ein ganz besonderes Flair. Eine große Sitzgruppe mit Tisch sorgt auch für die entsprechende Gemütlichkeit bei allen, die nicht klettern, balancieren, schaukeln, drehen oder rutschen wollen. Und wem das immer noch nicht reicht, der kann sich zwischendurch ein Eis bei der Eisdiele um die Ecke holen.

Dieser Artikel ist zuerst im internationalen Fachmagazin Playground@Landscape erschienen.